2020-05-08

ANTREIBER DYNAMIKEN

Das Konzept der inneren Antreiber ist eine Methode, um Persönlichkeits- und Beziehungsdynamiken sichtbar zu machen, und wurde in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts innerhalb der Transaktionsanalyse begründet. Die Transaktionsanalyse ist eine tiefenpsychologische Methode, die in den USA entwickelt wurde. Die Theorie dazu basiert auf der Annahme eines unbewussten Lebensskriptmusters, dem all unser menschliches Denken, Fühlen und Handeln zugrunde liegt. Die inneren Antreiber sind Teil dieses Lebensskriptmusters. Anhand klinischer Beobachtungen haben Taibi Kahler und seine Mitarbeiter durch die Analyse von Verhaltensweisen wie Wortwahl, Modulation, Mimik, Gestik und Körperhaltung die folgenden fünf Antreiber definiert:

Der „Sei stark!“ Antreiber
Der „Sei perfekt!“ Antreiber
Der „Mach es allen recht!“ Antreiber
Der „Beeil dich!“ Antreiber
Der „Streng dich an!“ Antreiber

Die Gestalttherapeutin und Transaktionsanalytikerin Mary Goulding hat noch einen weiteren Antreiber eingeführt:

Der „ Sei vorsichtig!“ Antreiber

Die Antreiber haben ihren Ursprung zum größten Teil in der Kindheit. Antreiber sind Ratschlag ähnliche Botschaften von Eltern, Autoritäten, prägende Lebensumstände oder ein prägender Kulturkreis. Diesen Anweisungen zu folgen bedeutet, Anerkennung zu sichern, sich akzeptiert zu fühlen und die Zustimmung anderer Menschen zu erhalten. Anpassungen sind zu einem gewissen Zeitpunkt hilfreich. Zur Gefahr werden innere Antreiber nur, wenn sie unbewusst bleiben und in einem gewissen Automatismus weitergelebt werden, obwohl sie nicht mehr zur aktuellen Lebenssituation passen, oder sogar hinderlich sind.
Antreiberdynamiken haben sehr viel mit dem Gefühl von Identität zu tun, da die übernommene Handlungsanweisung nicht als Fremdkörper wahrgenommen wird. Wenn von außen gestellte Ansprüche und Erwartungen stark verinnerlicht werden, hat das zur Folge, dass die Auswirkungen als integraler Bestandteil der eigenen Persönlichkeit verstanden werden. Unreflektierte innere Antreiber führen zu einem fremdbestimmten Leben. Der Druck, danach zu leben, löst Stress aus und kann langfristig unglücklich machen.
Antreiber bestimmen und beeinflussen unsere Entscheidungen und Verhaltensweisen. Das geschieht zumeist unbewusst. Die Bezeichnung „Antreiber“ impliziert, dass Menschen diesen verinnerlichten Anweisungen nahezu zwanghaft folgen. Antreiberdynamiken treten häufig in Kraft, wenn Menschen mit einer neuen, als stressig empfundenen Situation konfrontiert sind. Vor neue Aufgaben und Herausforderungen gestellt zu werden, kann zu Verunsicherung führen.
In Stress auslösenden Situationen übernehmen daher die verinnerlichten Antreiber die Führung. Das gelernte Verhalten “Mach es allen recht” z.B. sichert vermeintlich Akzeptanz zu. Innere Antreiber sind Ideale, die dem Menschen, wenn er sie lebt, ein gutes Gefühl geben, ein Gefühl, ok zu sein. Der Nachteil daran ist, dass die Dynamik dadurch verstärkt wird und dass ein Abweichen davon, das Gefühl, “Nicht ok” zu sein, hervorruft. Eine fälschliche Schlussfolgerung ist daher die Überzeugung, dass das gelernte Verhalten zu Anerkennung führt, denn häufiger wird dadurch der Selbstwert nur weiter abgeschwächt. Diese Antreiberdynamiken sind nicht ständig präsent, daher ist es auch aus systemischer Sicht hilfreich, zu unterscheiden, in welchem Kontext Antreiber auftreten, in welchen Situationen, bei welchen Personen und wann nicht. Diese Unterschiede sind richtungsweisend für mögliche Interventionen im Coachingprozess. Arbeiten mit inneren Antreibern bedeutet im Rahmen des Coachings, Antithesen zu formulieren und neue Wirklichkeitsvorschläge mit dem Klienten herauszuarbeiten, indem eine Metaebene eingeführt wird, die der Antreiber-Inszenierung entgegenwirkt. 

Gertrud - 13:37:39 @ Coaching